Sympathie der Macht, Macht der Sympathie

22 Okt

In den letzten Tagen gab es vermehrt Presseanfragen an einzelne Personen vor Ort und an einzelne Webseiten. U.a. ARD, ZDF, SPIEGEL, taz, BZ, Tagesspiegel und Deutschlandradio fragten nach Interviews mit der Gruppe, häufiger nach einzelnen Personen. Die Anfragen erzeugen Druck nach innen: Druck zu handeln, Druck zu reagieren, Druck auf unsere bisherigen horizontalen Kommunikationswege, die jeder/m eine Stimme gab und niemandem erlaubte, sich in den Vordergrund zu drängen und sein/ihr Ego oder Willen zur Macht auf Kosten der Anderen durchzusetzen. Auf der Asamblea wurde der Konsens erzielt, dass Anfragen von außen nicht per se abgelehnt werden können (jedes Individuum ist frei, darauf zu reagieren; die Gruppe kann, darf und will nichts verbieten) und darüber hinaus dazu genutzt werden können, viele andere Menschen zu erreichen, die bisher noch nichts von unserer „kommunikativen Revolution“ (und anderen Dingen) wissen.

Das Problem, das dadurch erzeugt wird, ist jedoch folgendes: Zwangsläufig wird es dazu kommen, dass einige Wenige sich dazu bereit erklären werden, mit der Presse zu sprechen. Ebenso wird die Presse irgendwann bestimmte Personen identifizieren wollen, die sie als „Sprecher“ oder „Ansprechpartner“ nutzen, schon allein aus pragmatischen Gründen, da sie sich bisher noch darüber beklagt, wie schwer es ist, „an einen von uns heranzukommen“. Das passiert zum Teil gerade, und Konturen erster Konflikte deuten sich an, Spitzen werden gefahren und Ängste geäußert, inwiefern die medienaffinen Einzelnen, die im schlimmsten Fall von der Presse als die Sprecher und Gesichter der Bewegung inszeniert werden, ein Machtungleichgewicht erzeugen werden, das fatale Folgen für uns haben wird. Es gibt viele Formen von Macht, nicht nur die Macht der offenen Repression, der Gewalt(-androhung) oder der z.T. noch erkennbaren strukturellen Gewalt. Viel gefährlicher für uns an diesem Punkt ist die Macht, die kaum sichtbar und greifbar ist, die sogar recht elegant daher kommt, Vertrauen auf sich vereint, Sympathien erzeugt und an sich bindet: jene mächtigen Fäden, die sich um eine Person ranken, der wir vertrauen, der wir Charakter zuschreiben, die wir mögen und respektieren, und der wir gerade deswegen – ganz unbemerkt, vielleicht sogar mit einem Lächeln oder einer Hoffnung, die sich damit verbindet – mehr Entscheidungsgewalt geben als Anderen. Und ehe man sich’s versieht, hat man sie, sie, die man niemals wollte und immer zu verhindern suchte: die asymmetrischen Machtstrukturen, die, sobald sie geronnen sind, nur schwer wieder rückgängig gemacht werden können.

Daher: Wachsam bleiben und offen ansprechen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: