Flexible Felder und ein waberndes Presseteam

31 Okt

In den vergangenen Tagen wurde mehrmals über die mögliche Bildung eines Presseteams gesprochen. Gestern habe ich mich an die Asamblea mit einigen Vorschlägen gewandt, u.a. mit der vorübergehenden Bestimmung eines größeren Kreises stets wechselnder Personen, die Kontakt zu Presse halten. Genaue Aufgabenfelder werden sich in den kommenden Tagen herauskristallisieren und mit der Asamblea abgesprochen.

Um es noch einmal klar zu stellen: Es geht hierbei nicht um den Einfall konventioneller Organisationsstrukturen oder hierarchischer Kommunikationsformen. Was dieses Presseteam von anderen „SprecherInnen“ herkömmlicher Gewerkschaften/Unternehmen/Organisationen unterscheidet, sind unter anderem die folgenden Punkte:

a. Das Presseteam besteht aus mehreren Personen; je mehr, desto besser und vielstimmiger.

b. Nach wie vor gilt das Prinzip, dass niemand für andere, geschweige denn für alle sprechen kann. Das gilt für jedes Individuum sowie für jede (Presse-)AG.

c. Das Presseteam wird qua Rotationsprinzip ständig ausgewechselt und erneuert; die Gefahr personaler Hierarchien werden damit minimiert.

d. Das Presseteam wird von allen Seiten ausgeleuchtet: Transparenz ist oberstes Prinzip.

e. Das Presseteam hält permanente Rücksprache mit der Asamblea.

f. Interviews werden nach Möglichkeit nicht alleine geführt. Nach wie vor gilt das Prinzip, dass Presse-VertreterInnen zunächst gebeten werden, vor die Asamblea zu kommen.

g. Alles ist vergänglich: auch das Presseteam. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt die Funktion oder der Zweck des Presseteams in Frage gestellt werden sollte, verschwindet es. Ganz sang-, ganz klanglos.

Der Druck von außen (u.a. von den großen Medienunternehmen), dass wir greifbarer und leichter einstufbar werden, ist vorhanden. Massenmedien wollen Gesichter. Sie wollen einzelne Personen, die für Bewegungen, Organisationen etc. sprechen. Das macht, so der Gedanke, diese ganzen abstrakten Angelegenheiten so „menschlich“, weil sich ganz persönliche Biographien, Wünsche und Schicksale damit verbinden und die Zuschauer/Leser können sich dann aussuchen, inwieweit sie sich mit den gezeigten Personen identifizieren oder gerade nicht.

Dennoch sollten wir uns davon nicht beeindrucken lassen. Es war bisher einer unserer Stärken, äußeren Druck einfach abprallen zu lassen und uns die Zeit für unseren eigenen Entwicklungs- und Lernprozess zu nehmen. Daher macht das Presseteam die Bewegung nicht etwa greifbarer oder leichter handhabbar. Im Gegenteil, das Presseteam könnte das werden, was die Asamblea bereits ist: ein flexibles Feld, mit gleitenden Funktionen, Gesichtern und Themen. Wenn ständig neue Menschen ins Team strömen, bringen sie ihre eigenen Ideen und Geschichten mit und verändern das Bild, das wir nach außen tragen, mit jedem neuen Satz, der gesagt wird, und mit jedem neuen Gesicht, das ihn ausspricht. Nach außen systematisiert sich unsere Kommunikation und trotzdem assoziiert sie sich nicht mit einzelnen Personen.

Das Presseteam ändert nichts an bisherigen Prinzipien oder Kommunikationsformen. Wir bleiben ein waberndes Gebilde, dessen unkontrollierte Bahnen und Informationsströme mal das eine Gesicht, mal das andere Thema, mal die eine Funktion, mal die andere Entscheidung in den Vordergrund stellen.

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Eine Antwort to “Flexible Felder und ein waberndes Presseteam”

Trackbacks/Pingbacks

  1. AG Presseteam 03-11-2011 » #occupyBerlin - November 3, 2011

    […] Selbstverständnis des Presseteams, und zur Vermeidung von Missverständnissen, nochmal der Link: https://anewsolarplexus.wordpress.com/2011/10/31/flexible-felder-und/ (mit unschuldigem Verweis auf einen neuen Text im Blog: "Ich okkupiere!") Viele Grüße Daniel […]

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